Undressed and unseen – Fotokunst in Berlin

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Zeitlos, eindrucksvoll und real brennen sich die Fotografien von Testino und Newton ins Gedächtnis und sind nicht nur ein visuelles Erlebnis. Als ich von der neuen Ausstellung „undressed and unseen“ in Berlin erfahre, ist meine Neugier geweckt und ich muss mir diese unbedingt mit einem befreundeten Fotografen namens Martin anschauen.

Fotokunst in Berlin: Undressed and unseen in der Helmut-Newton-Stiftung in Berlin

Helmut Newton ist ein Meister der stilvoll-sinnlichen Fotografie und begeistert viele Menschen auf der ganzen Welt. Es hat mich sehr beeindruckt, dass er vor seinem Tod im Jahre 2003 verfügt hat, auch anderen Künstlern mit seiner Stiftung ein Forum zur Präsentation ermöglichen zu wollen. Die Werke von Mario Testino und Jean Pigozzi sind diesmal ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Gespannt betreten wir die modernen Räume und begeben uns auf die abwechslungsreiche visuelle Reise.

Ein Akt kann auch kunstvoll in Szene gesetzt werden - wunderschöne Beispiele dafür finden sich auf der "Undressed and unseen" Ausstellung in Berlin. (#1)

Ein Akt kann auch kunstvoll in Szene gesetzt werden – wunderschöne Beispiele dafür finden sich auf der „Undressed and unseen“ Ausstellung in Berlin. (#1)

Undressed and unseen: mehr als nur ein Fundus aus Mode-und Aktaufnahmen

Die Stiftung hat neben den bekannten Werken auch zahlreiche unveröffentlichte Aufnahmen für die Installation bereitgestellt. Das große, übergeordnete Thema sehe ich in der Visualisierung und Materialisierung von Erotik. Das „Ausziehen“ wird hier in zahlreichen Facetten offengelegt. „Ich finde es sehr spannend, dass die Bilder einen Einblick in die Arbeitstechniken der Künstler gewähren und die Vorgänge von Erotik so wunderbar real dokumentieren“, schwärmt Martin, als wir vor einem Werk Newtons stehen, das eine beginnende Erotikszene zwischen einem Mann und einer Frau thematisiert.

Der „Auszieh“-Vorgang ist hier jedoch in meinen Augen sehr technisch und fokussiert, ja beinahe unterkühlt und berechnend, dargestellt. Andere Aufnahmen zeigen hingegen die unverblümte, sprichwörtlich nackte Erotik: die Aufnahme Newtons von Sean Young beispielsweise schafft es, Mode und Nacktheit gekonnt miteinander verschmelzen zu lassen und so die Erotik unübersehbar, aber auf stilvolle Weise darzustellen. Die Fotografie, in der sich die junge Frau verführerisch vor eine Limousine stellt, zählt zu meinen absoluten Favoriten der Ausstellung.

Wir gehen weiter und entdecken auch noch andere Spiel-Arten der Erotik: Ein Voyeur, der selbst zum Beobachteten wird, zu sehen in „Heather looking through a keyhole“ von Newton, oder auch die Vogue Italia von Testino, die möglicherweise auf das Konzept der Fußerotik verweist.

Das Foto zeigt an sich "nur" nackte Menschen, aber das Gefühl, das beim Anschauen entsteht spricht für sich: Geborgenheit, Vertrauen, Zärtlichkeit. (#2)

Das Foto zeigt an sich „nur“ nackte Menschen, aber das Gefühl, das beim Anschauen entsteht spricht für sich: Geborgenheit, Vertrauen, Zärtlichkeit. (#2)

Jede Wand der insgesamt drei Austellungssäle ist mit überlebensgroßen Portraits beklebt, wodurch jede Fotografie sehr real und unmittelbar erlebbar wird. Die Präsentationsform füllt den Raum mit so viel Emotionalität und Leben, sodass es schwerfällt, diese in Worte zu kleiden. Eine solche Darstellungsform ist mir noch nicht begegnet und spricht mich absolut an. „es gefällt mir sehr, wie das Thema in den Fotografien ausgedrückt wird. So natürlich, so unbekümmert, und doch wirkt es niemals obszön oder pornografisch.“

Mein Begleiter stimmt mir wohlwollend zu und so verlieren wir uns wieder und wieder in der ereignisreichen Verquickung von Kunst und Fotografie. Im letzten Raum erleben wir die Verknüpfung von stilvoller Erotik und prominenter Society: Der Fotograf Jean Pigozzi lichtete berühmte Persönlichkeiten für seine Pool-Partys ab, die Bilder ergänzen, wie ich finde, die modernen werke nahezu perfekt. Das Miteinander von Mode, Erotik und High Society macht einfach großen Spaß und lädt zum Staunen, Träumen und Verweilen ein.

Ein sich-berühren-lassen, ohne berührt zu werden, und ich verspüre fast ein wenig Traurigkeit, als wir die Ausstellung in der Helmut-Newton-Stiftung in Berlin verlassen. Und doch bleiben die Bilder im Gedächtnis und werden mich sicher den ein oder anderen Tag begleiten. Hier gilt: Ausstellung ansehen, abschalten und mit allen Sinnen erleben und genießen!


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: DK samco, -#1 photoagent, -#2 Mayer George

Über den Autor

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Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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