„China und Ägypten – Wiegen der Welt“ im Neuen Museum Berlin

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Um mehr über die antiken Hochkulturen in Erfahrung zu bringen, besuche ich mit einem befreundeten Grafik-Designer die Ausstellung „China und Ägypten – Wiegen der Welt“ im Neuen Museum in Berlin. Was hat es mit den antiken Hochkulturen auf sich, haben diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

Wiegen der Welt im neuen Museum Berlin: eindrucksvolle Schätze aus der ägyptischen und chinesischen Hochkultur

Ich bin aufgeregt und gespannt, wie die altägyptischen und altchinesischen Schätze im Neuen Museums Berlin wohl nebeneinander aussehen werden. „Manche Exponate aus China waren auch noch nie in Europa zu sehen“, merkt mein Freund an. Laut Programm sollen die „Wiegen der Welt“ aus über 250 Exponaten aus dem Zeitraum von 4500 v. Chr. bis in die griechisch-römische Zeit ca. 310 v.Chr. bestehen. Als wir unseren Rundgang beginnen, fällt mir auf, dass die Ausstellung in fünf Themenbereiche unterteilt ist: Schrift, Herrschaftsformen, Götterkult, Totenkult und Alltag.

Ich kann gar nicht mehr sagen, welche Exponate mich am meisten beeindruckt haben – alle erzählten ihre eigene Kulturgeschichte. Die bemalte Ton- Figur aus der Han-Dynastie hat mich sehr angesprochen, sie zeigt den Diener in den damals typischen Gewandungen der Zeremonialroben. Die Geschlechter sollten damals an den Haarroben erkennbar gewesen sein – Frauen trugen den Haarknoten etwas länger. „Davon ist sicherlich auch einiges noch heute in der chinesischen Kultur verwurzelt“, merkt mein Freund an.

Weingefäß in Gestalt eines Ochsen, Bronze, Späte Shang-Zeit, 13.–11. Jh. v. Chr. (#1)

Weingefäß in Gestalt eines Ochsen, Bronze, Späte Shang-Zeit, 13.–11. Jh. v. Chr. (#1)

Wir gehen weiter und schauen uns die Götterkult-Abteilung an. Hier gefällt mir beispielsweise die Statuette, die – wie ich erfahre, Uschebti genannt wird, und den verstorbenen König Psammetich I. der 26. Dynastie zeigt. Ich bin beeindruckt von der Statuette mit Hieroglyphen und wundere mich über die Detailverliebtheit. „Es ist unglaublich, wie viel Mühe die Ägypter damals in den Götter-und Totenkult investiert haben“, merke ich an. Natürlich gab es auch Königinnen in Ägypten – eine erblicke ich als Exponat auf einem Sockel, ausgestattet mit einer prunkvollen Kopfbedeckung.

Auch eine vergoldete Mumien-Maske aus der Ptolemäerzeit ist hier ausgestellt. „Wollen wir uns wieder der chinesischen Hochkultur zuwenden?“, fragt mein Freund, und wir schlendern zu den Alltags-Gegenständen der frühen chinesischen Hochkultur. Dort spricht mich vor allem der Einfallsreichtum der Chinesen an: während die Ägypter viel Wert auf Götterkult und anmutige Tiere legten – zum Beispiel Katzen, die als göttliche Tiere verehrt wurden – hatten die Chinesen anscheinend auch eine Vorliebe für andere Tierarten.

Gui Schale mit „Schneckenwesen“, Bronze, Westliche Zhou-Dynastie, 1100–770 v. Chr. (#2)

Gui Schale mit „Schneckenwesen“, Bronze, Westliche Zhou-Dynastie, 1100–770 v. Chr. (#2)

Mich spricht das Weingefäß in Gestalt einer Eule sehr an. Das tonbemalte Gefäß entstammt der westlichen Han-Dynastie. Ich bemerke, dass dies wirklich ein ungewöhnlicher und schöner Ausschankkrug ist. Mein Freund erklärt mir, dass viele Tiere in der chinesischen Kultur mit einer ganz besonderen Bedeutung versehen sind. Während Eulen als Krafttiere mit Weitsicht und Weisheit gelten, zeichnen sich Büffel und Ochsen in der chinesischen Kultur durch Pflichtbewusstsein und Bodenständigkeit aus. Ich stelle fest, dass das Weingefäß eines Ochsen dazu passt, und unterhalte mich mit meinem Freund angeregt über die verschiedenen Materialien und Werkstoffe der Hochkulturen – die Ägypten schienen Status und Wert sehr zu schätzen und stellten viele Kunstwerke aus Ton oder Gold her, während die Chinesen vorwiegend Bronze und Ton verwendeten.

Natürlich wollten wir auch den Höhepunkt der Ausstellung im Neuen Museum nicht verpassen: Am Ende des Rundgangs von „China und Ägypten- die Wiegen der Welt“ bekamen wir ein edles Jadegewand eines Verstorbenen aus China zu Gesicht, das erstmals in Deutschland ausgestellt wird. Insgesamt hat mir die Ausstellung sehr gut gefallen, da sie eindrucksvoll die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden bedeutsamen Hochkulturen in den Fokus rückt und nicht nur für Kunstkenner interessant ist. Auch Laien und Interessierte finden sicher sehr viel Gefallen an den prunkvollen Skulpturen, bei denen ich das Gefühl hatte, für einen kurzen Augenblick zu Gast in den antiken Hochkulturen zu sein.


Bildnachweis: © Titelbild: Xuzhou Museum, -#1 Shanghai Museum, -#2 Shanghai Museum

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Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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