Oh yeah! Popmusik in Deutschland im Museum für Kommunikation Berlin

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90 Jahre populäre Musik in „nur“ drei Räumen – da haben sich die Macher ja etwas vorgenommen! Umso gespannter fieberte ich der Ausstellung im Berliner Museum für Kommunikation entgegen, die ich ausnahmsweise einmal allein besucht habe.

Kommerziell erfolgreiche Musik von früher bis heute im Museum für Kommunikation Berlin

Der zeitliche Ablauf ist klug gewählt und reicht von der Weimarer Republik bis in die moderne Zeit von heute. Ich entschied mich gegen eine chronologische Reihenfolge und beschloss, nach Lust und Laune durch die Räumlichkeiten zu laufen. So fiel es mir auch leichter, mich mit dem zu beschäftigen, was mich wirklich interessierte. Die ganze multimediale Aufmachung allein ist schon bemerkenswert sehenswert.

Kopfhörer standen in großen Mengen zur Verfügung, damit sich die Besucher die Songs anhören oder Musikvideos ansehen konnten. Ich entdeckte sogar die früheren Titelseiten der „Bravo“ – der populärsten Zeitschrift, wenn es um die Stars und Sternchen der Popszene geht. Gleich darauf entdeckte ich eine Abteilung mit selbst gemachten CD-Covern und kam mir fast vor wie auf einem großen Flohmarkt.

Immer wieder musste ich mich daran erinnern, dass diese Ausstellung zu einem Museum gehört. Mitnehmen war also nicht drin – wobei, manches wollte ich auch gar nicht mitnehmen und ganz schnell vergessen. Denn zu der Ära der modernen Popmusik gehören ja auch Künstler wie Helene Fischer und Tokio Hotel. Nicht meine Baustelle, wie man so schön sagt, oder auch, jedem das Seine.

90 Jahre populäre Musik in „nur“ drei Räumen – da haben sich die Macher ja etwas vorgenommen! (#01)

90 Jahre populäre Musik in „nur“ drei Räumen – da haben sich die Macher ja etwas vorgenommen! (#01)

Böse Buben und Dildo-Koffer von Rammstein im Museum für Kommunikation Berlin

Natürlich durften auch die deutschen Rapper in der Ausstellung nicht fehlen. „Die Fantastischen Vier“ oder „Blumentopf“ begleiteten selbst mich noch in meiner Jugend, die mir beim Lauschen der Melodien nicht weit weg erschien. Rund 200 Exponate durfte ich bewundern, schöne und skurrile zugleich. Besonders seltsam erschien mir der Dildo-Koffer aus dem damaligen Merchandising der Band Rammstein.

Glücklicherweise veranlasste mich der Koffer dazu, einen Moment zu verweilen und so in ein Gespräch mit einem Künstler zu kommen. Wir verfielen in eine rege Diskussion über den Sinn und Unsinn von Indexen und der Bedeutung der Band Rammstein für die deutsche Musikszene. Den Rest der Ausstellung sahen wir uns gemeinsam an und kommentierten beispielsweise sowohl einen Seesack von Elvis Presley, als auch die Gitarre von Peter Kraus. Begeistert nahm ich zur Kenntnis, dass die Macher die Subkulturen, also eher unpopuläre Musik in die Ausstellung integrierten, etwa die New-Wave und Gothic-Bewegung der 1980er Jahre.

Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, dass die Anhänger der damaligen schwarzen Szene 1988 in der Walpurgisnacht am Schloss Belvedere von der Volkspolizei festgenommen wurden.

 Diese Reise in die popmusikalische Vergangenheit – sowohl Lebensgefühl als auch Generationenprojekt – kann ich jedem nur wärmstens ans Ohr legen. (#02)

Diese Reise in die popmusikalische Vergangenheit – sowohl Lebensgefühl als auch Generationenprojekt – kann ich jedem nur wärmstens ans Ohr legen. (#02)

Eine musikalische Zeitreise am Museum für Kommunikation in Berlin

„Welche Stärken hat die Ausstellung denn für dich?“, wollte mein neuer Bekannter wissen. „Ich finde es erstaunlich, welche zeitlichen Parallelen die Ausstellung zieht. Ich kann jetzt viel besser nachvollziehen, warum sich damals so viele Menschen für die Beatles begeisterten oder was die jüngere Genration an der Love Parade faszinierte.“ Von der Love Parade sahen wir allerdings lediglich ein trauriges Überbleibsel – einen weißen Buffallo-Schuh mit einer viel zu dicken Sohle, ein Symbol für das tragische Ende des Events.

Rückblickend gab mir die Ausstellung die einmalige und mutmaßlich nicht so schnell wiederkommende Gelegenheit, mir über meine eigene musikalische Sozialisation bewusst zu werden – und diese Erkenntnis genoss ich Klang um Klang. Diese Reise in die popmusikalische Vergangenheit – sowohl Lebensgefühl als auch Generationenprojekt – kann ich jedem nur wärmstens ans Ohr legen.


Bildnachweis:©MFK-BERLIN

Über den Autor

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Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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