"Pornorap ist keine Kunst!"
Die Texte handeln von Erniedrigung und Vergewaltigung von Frauen, die Rhythmen hämmern sich zwingend ins Ohr und die Videos dazu zeigen gewalttätige Sexualpraktiken. Die Rede ist von Pornorap, einem Musikstil, der unter Jugendlichen große Erfolge feiert. Die Videos werden von Handy zu Handy gereicht und die Pornorapper machen große Kasse.
"Pornorap ist keine Kunst. Künstlerische Freiheit endet genau da, wo jede andere Freiheit auch aufhört: Bei der Achtung vor der Würde des Menschen. Was dagegen verstößt, kann sich nicht Kunst nennen." Das sagen Zwei, die selber als Künstlerinnen arbeiten und damit ihr Geld verdienen: ANA & ANDA, Duo für Musik und Bühnenkunst aus Karlsruhe. Jetzt protestieren die Komponistin und die Texterin mit eigenen "Neue Kunstliedern" gegen Pornorapper wie Sido, Bushido, Frauenarzt und andere. Zum ersten Mal präsentieren sie sich damit am 23. November 2007 um 20 Uhr im Theater Sapperlot in Lorsch. Engagiert wurden sie dafür von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Brunhilde Schieb. Für ihre Veranstaltung anläßlich des Internationalen Gedenktages am 25. November "Nein zu Gewalt an Frauen" hat sie die Lieder in Auftrag gegeben.
Künstlerische Verantwortung lässt sich nicht abstreiten
"Ekelhaft sind die Versuche der Pornorapper und ihrer Label wie Aggro Berlin, ihre Umwelt für die Inhalte ihrer Werke verantwortlich zu machen. Selbstverständlich sind Künstlerinnen und Künstler für ihr Handeln genau so verantwortlich, wie alle anderen Menschen auch", sagen die beiden Musikerinnen. Mit ihren zeitgenössischen Kompositionen und gesellschaftskritischen Texten nehmen sie sich deshalb immer wieder aktueller Themen an. Lieder zu Menschenrechten, sozialen Themen oder Gender-Fragen sind ihre Spezialgebiete. "Ganz bewusst setzen wir ein Gegengewicht zur sogenannten Spaßgesellschaft. Es ist höchste Zeit, dass die Gesellschaft sich den aktuellen Fragen stellt und nach Antworten sucht". Natürlich könnten Künstlerinnen und Künstler diese Antworten nicht liefern, betonen die Beiden. Vielmehr gehe es darum, den Mut zu haben, heikle Themen anzusprechen und die entsprechenden Fragen zu stellen, um damit ein Nachdenken in Gang zu setzen.
Weg von der Opfermentalität
"Die Pornorapper aber zementieren Missstände in der Gesellschaft - und noch schlimmer: Sie leisten den Fehlentwicklungen auch noch Vorschub!". Offensichtlich sei Vielen immer noch nicht klar, dass Freiheit nichts damit zu tun habe, jede noch so absurde Grenzüberschreitung zuzulassen. "Die sexuelle Befreiung hat in weiten Bevölkerungsteilen gar nie stattgefunden", sind die beiden Künstlerinnen überzeugt. "Warum sonst hätten junge Mädchen heute noch Mühe, sich Praktiken wie dem Gangbang zu entziehen, aus Angst, dann als prüde und frigide zu gelten?" Bei der Anklage lassen es ANA & ANDA aber nicht bewenden. "Unsere Kunst ruft stets zum Handeln auf. Im Gegensatz zu den Pornorappern sehen wir uns nicht als Opfer unserer Herkunft, sondern als selbstverantwortliche Frauen, die wissen, was sie tun und wann es Zeit ist, nein zu sagen!"
Die Veranstaltung in Lorsch findet nun zum vierten Mal anlässlich des Internationalen Gedenktages am 25. November "Nein zu Gewalt an Frauen" statt.
Quelle: Pressemeldung ANA & ANDA GbR
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