Ludwig II. und das Pomeranzen-Gold
Eine bundesweit einzigartige Sonderausstellung auf Herrenchiemsee widmet sich jetzt nicht nur Ludwigs Liebe zu den Orangen, sondern beleuchtet die fürstliche Orangeriekultur insgesamt.
Mit ihrem immergrünen Laub, den duftenden Blüten und den dekorativen Früchten zogen die Zitruspflanzen einst die Herrscher in ihren Bann. Nicht nur am Hofe Ludwig XIV. in Versailles waren Pomeranzen, Orangen und Zitronen ein zentraler Bestandteil der königlichen Gärten. Sie waren echte Statussymbole: Wer eine umfangreiche Sammlung von Zitrusbäumen präsentieren konnte, bewies Machtfülle und Finanzkraft. Die Fürstenhöfe Europas wetteiferten geradezu darum, einen möglichst großen Bestand an Zitruspflanzen zu kultivieren. Wie das funktionierte, erklärt die Ausstellung "Pomeranzen-Gold" der Bayerischen Schlösserverwaltung, die kürzlich parallel zur Landesgartenschau in Rosenheim erfolgreich anlief.
Ludwigs Pläne fortgeführt
Wie sein Vorbild Ludwig XIV. war Ludwig II. ein großer Liebhaber von Zitrusbäumen. In Herrenchiemsee sollten sie - wie in Versailles - in der Mittelachse des Gartens in Form einer Allee aufgestellt werden. Im Spiegelsaal des Neuen Schlosses platzierte Ludwig II. kleine Orangenbäume in prächtigen vergoldeten Gefäßen. Außerdem plante er den Bau einer Orangerie nach dem Vorbild von Versailles. Sein Tod verhinderte das aber.
Neues Pflanzenhaus als Ausstellungsraum und Winterquartier
Die Bayerische Schlösserverwaltung knüpfte an Ludwigs Pläne an und errichtete letztes Jahr in der Schlossgärtnerei ein neues Pflanzenhaus. Hier beziehen künftig 30 hochstämmige Pomeranzenbäume, die später das Parterre am Latona-Brunnen vor dem Neuen Schloss bereichern werden, ihr Winterquartier. In diesem Jahr bildet das neue Gewächshaus den Rahmen für die Ausstellung "Pomeranzen-Gold".
Mit seiner Leidenschaft für Zitrusbäume stand Ludwig II. in der Tradition seiner Wittelsbacher Vorfahren: Vermutlich war der Münchner Hof der erste Fürstensitz in Deutschland, an dem Pomeranzen kultiviert wurden. Der bayerische Herzog Albrecht V. konnte bereits im Frühjahr 1554 einige Pomeranzenpflanzen an den Stuttgarter Hof weitergeben. Höchstwahrscheinlich hatte die Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger einst die ersten Zitruspflanzen von Italien nach Bayern gebracht.
Ein Zitrusbäumchen kostete 1750 ein Direktoren-Jahresgehalt
Die Fürsten des 17. bis 19. Jahrhunderts ließen sich ihre Zitruspflanzen einiges kosten: Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth bezahlte um 1750 für 900 Zitrusbäume aus Italien die erstaunliche Summe von 270.000 Gulden. Zum Vergleich: Der Direktor der Porzellanmanufaktur Höchst verdiente damals 33 Gulden im Monat!
Doch die Kultur der empfindlichen Pflanzen war im raueren Klima nördlich der Alpen sehr aufwändig. Wie überwinterten die frostempfindlichen Kübelpflanzen? Wie wurden die oft mächtigen Bäume transportiert, wie umgepflanzt? Und wer waren die Gärtner, von deren Wissen und Können das Überleben der Pflanzen abhing? Die Antworten findet man in der Ausstellung "Pomeranzen-Gold". Dank außergewöhnlicher Leihgaben kann die Schlösserverwaltung die äußerst seltenen Geräte der Orangeriekultur auf Herrenchiemsee zeigen.
Aber die Ausstellung beweist auch: Wie zu Ludwigs Zeiten ist die Kultur der Zitruspflanzen bis heute eine Aufgabe, die sehr spezifische Fachkenntnisse, große Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl erfordert.
Quelle: Pressemeldung Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
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