"Das schönste Bild von Karl Albrecht"

18.05.2010 | München
Schloss Nymphenburg ist um ein bedeutendes Kunstwerk reicher: Ein Gemälde des französischen Hofmalers Joseph Vivien kehrte zurück nach München. Es zeigt den bayerischen Kurprinzen Karl Albrecht, den späteren Kaiser Karl VII., auf der Jagd gemeinsam mit Johann Maximilian IV., Graf von Preysing-Hohenaschau.

Außerdem sind Joseph Hannibal Freiherr von Mayrhofen und der kürfürstlicher Kammerdiener und Wachtelhundeführer Charles Balustrier dargestellt. Die höfische Runde, umgeben von drei Hunden und der Beute, wird bei einer Jagdpause gezeigt.

Joseph Vivien (1657-1734), berühmt für seine Porträts, begann das großformatige Bild im Winter 1723 in München und vollendete es in Paris. Die Bayerische Schlösserverwaltung konnte das Ölgemälde mit Unterstützung der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung und der Bayerischen Landesstiftung aus Privatbesitz erwerben.

Dr. Johannes Erichsen, Präsident der Schlösserverwaltung, ist von der Neuerwerbung begeistert: "Dies ist das schönste Bild von Karl Albrecht, das es gibt, und eines der ganz wenigen Jagdbilder vom Münchner Hof. Wir sind glücklich, es künftig in der Sommerresidenz Nymphenburg zeigen zu können. Bisher gab es kein Bildnis Karl Albrechts in Nymphenburg", so Dr. Erichsen weiter, "und das Thema Jagd tauchte bisher auch kaum auf, obwohl es für das höfische Leben von großer Bedeutung war".

Die Schlösserverwaltung stellte das Gemälde am Dienstag (18. Mai) in Schloss Nymphenburg vor. Bei der Rückkehr des bedeutenden Werks waren auch die Nachfahren der beiden wichtigsten Dargestellten anwesend: SKH Herzog Franz von Bayern und Christoph Graf Preysing. Sie gratulierten der Schlösserverwaltung zu der herausragenden Neuerwerbung.

Öffentliche Restaurierung

Viviens Werk wird nun zunächst gründlich restauriert. Dies erfolgt öffentlich in einer Art Schauwerkstatt im Schloss Nymphenburg. Die Besucher können den Restauratoren der Schlösserverwaltung bei ihrer Arbeit über die Schulter sehen.

"Diese Neuerwerbung ist für die Schlösserverwaltung zugleich der Ausgangspunkt, ein neues, noch publikumswirksameres Konzept für die Museumsräume in Schloss Nymphenburg zu entwickeln", so Dr. Erichsen.

Wahrscheinlich gab Karl Albrecht selbst das Bild in Auftrag, zahlte aber nicht rechtzeitig. Viviens Tochter Suzanne versuchte nach dem Tod ihres Vaters zwischen 1735 und 1737, das ausstehende Honorar - 400 Louis d'or - beim nunmehrigen Kurfürsten Karl Albrecht einzutreiben. Durch diese Auseinandersetzung ist das Gemälde bestens dokumentiert.

Französischer Hofmaler im Dienste Max Emanuels

Joseph Vivien wurde 1657 in Lyon geboren. Ab 1672 war er als Schüler des Malers François Bonnemer in Paris. Nach ersten Erfolgen als Porträtmaler wurde er in die Königliche Akademie aufgenommen und arbeitete für den französischen Hof. 1699 berief Max Emanuel den bedeutenden Pastellkünstler zu seinem Hofmaler. Vivien blieb bis zum Tod des bayerischen Kurfürsten 1726 in dessen Diensten. Er wohnte zwar in Paris, kam aber zu drei längeren Aufenthalten nach München, wo er die gesamte kurfürstliche Familie porträtierte. Ein Porträt Max Emanuels als Sieger von Namur, gemalt von Vivien 1711, gehört bereits zur Ausstattung von Nymphenburg. Weitere bedeutende Werke des Künstlers sind im Neuen Schloss Schleißheim zu besichtigen. Vivien starb 1734 in Bonn.

Quelle: Pressemeldung Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

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