Das Internationale Opernstudio präsentiert "Les Indes galantes"
Hebe, die Göttin der Jugend, ist enttäuscht. Sie gibt ein Fest für Liebende aus Europa, die sich jedoch von Bellone, dem Gott des Krieges, dazu überreden lassen, der Liebe abzuschwören und für Ruhm in den Kampf zu ziehen. Da kann nur Amor helfen. Hebe schickt ihn aus in ferne Länder, um dort neue Paare zusammenzubringen. Soweit der Prolog. In den folgenden Akten entführen Rameau und sein Librettist Louis Fuzelier die Zuhörer in drei "Indiens" - zur Entstehungszeit des Werks ein gebräuchlicher Sammelbegriff für ferne Länder. In der Türkei, in Peru und Persien verschießt Amor seine Pfeile und sorgt für Trubel - bunt, exotisch, verführerisch. Sechs Mitglieder des Internationalen Opernstudios und ein Gast übernehmen alle Partien.
Anja Krietsch, Spielleiterin an der Hamburgischen Staatsoper, setzt Rameaus Werk in Szene. Dabei legt sie besonderen Wert auf die hohe Emotionalität der Musik Rameaus. Mit einem Augenzwinkern wirft sie einen im besten Sinne naiven Blick auf die Bewohner ferner Länder, die Rameau in seinem Werk zeigt, und inszeniert es als farbige Reise in einer Zeit, als das Ferne noch fremd war. "Wir reisen mit den Figuren von einem Bild zum nächsten: vom allegorischen Prolog im Himmel zu einem türkischen Serail, dann zu den Inkas nach Peru und schließlich zu einem persischen Blumenfest", erzählt Anja Krietsch. "Rameaus Liebesgeschichten appellieren direkt an das Herz, und das will ich im besten Sinne ausspielen lassen: Emotionalität und Zeichenhaftigkeit werden wichtige Erzählmittel sein. Rameau hat in seinen Episoden ja nicht exakte ethnologische Riten und Gebräuche vorgestellt, sondern den üblichen Dreiecksgeschichten einen exotischen Rahmen gegeben. Er betrachtet die vermeintliche "Naivität" der anderen Völker natürlich immer mit einer gewissen Arroganz durch die europäische Brille. Wir wollen in unserer Darstellung unbedingt eine unschuldige, fast kindliche Frische behalten."
Seit der Spielzeit 2005/06 ist Anja Krietsch an der Hamburgischen Staatsoper engagiert. Sie arbeitete mit Regisseuren wie Claus Guth, Guy Joosten, Alexander von Pfeil, Harry Kupfer und Marco Arturo Marelli zusammen. Nun führt sie zum ersten Mal selbst Regie am Haus an der Dammtorstraße. "Das Stück habe ich ausgewählt, weil sich die Internationalität dieser Nachwuchsinstitution darin widerspiegelt: Verschiedenste Nationen treffen ja auch im Stück aufeinander", sagt sie.
Katerina Tretyakova, Dovlet Nurgeldiyev und Maria Markina beenden mit dieser Produktion ihre Zeit im Opernstudio und wechseln ins Ensemble der Staatsoper. Vida Mikneviciute und Ziad Nehme verabschieden sich aus Hamburg. Ebenso Kyung-Il Ko, der wegen Krankheit von Ryszard Kalus, ehemaliges Mitglied des Opernstudios, vertreten wird. Dong-Hwan Lee bleibt dem Opernstudio ein weiteres Jahr erhalten.
Die musikalische Leitung hat Alexander Soddy. Der junge Dirigent und Assistent von Simone Young leitete bereits erfolgreich die Produktionen des Internationalen Opernstudios der vergangenen Jahre sowie Vorstellungen im Großen Haus wie zum Beispiel "Die Zauberflöte", "L'Elisir d'Amore", "Hänsel und Gretel" und "Il Barbiere di Siviglia". Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Aída Guardia verantwortlich, die bereits die Opernstudioproduktion 2009 "About death" ausstattete und dem Haus an der Dammtorstraße außerdem durch Bühnenbildassistenzen bei Johannes Leiacker verbunden ist. Maike Ipsen ist für die Choreographie verantwortlich.
Jean-Philippe Rameau: "Les Indes galantes"
Eine Produktion des Internationalen Opernstudios der Hamburgischen Staatsoper
Premiere: 19. Juni 2010, 19.30 Uhr
Weitere Vorstellungen: 21., 23., 27., 28. Juni, 5. Juli 2010, 19.30 Uhr
Veranstaltungsort: Opera stabile, Kleine Theaterstraße
Quelle: Pressemeldung Hamburgische Staatsoper GmbH
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